Was soll das eigentlich?

„CareSlammer sind Geschichtenerzähler und Analytiker und sie wissen um das Lied des Lebens, welches Krankheit, Leid und Todeserfahrungen beinhaltet, aber auch um die großen Freuden, die im Umgang mit Menschen erlebt werden können.“

Yvonne Falckner.

Das Werden des CareSlams.

Entstanden ist der CareSlam im Jahr 2015. Er wurde initiiert von Yvonne Falckner und Mona Löffler. Prof. Dr. rer. cur. Michael Bossle ist der Schirmherr der Veranstaltungsreihe.

Das Konzept des CareSlams verbindet Elemente von PoetrySlam und ScienceSlam mit politischen Inhalten. Wird beim PoetrySlam eben Poesie vorgetragen und beim ScienceSlam wissenschaftliche Inhalte für „Laien“ aufbereitet, so steht beim CareSlam die berufliche und pflegerische Situation der Akteure im Vordergrund. Einen Wettbewerbscharakter hat der CareSlam im Gegensatz zu den anderen Slam-Formen nicht. Jeder Akteur soll die Möglichkeit bekommen, ohne Leistungsdruck sein Anliegen vorzutragen. Hilfsmittel wie Beamer und Requisiten sind erlaubt. Beim CareSlam wird aufgrund der Heterogenität und der Unerfahrenheit eines Teils der Teilnehmer immer eine Generalprobe durchgeführt.

Beeinflusst ist der CareSlam auch vom „Theater der Unterdrückten“ (Augusto Boal, 1970er), welches einen politisch aufklärerischen Charakter mit Kunst und Selbsterfahrung auf der Bühne kombiniert.

Der CareSlam bietet eine Plattform für Menschen, die eng mit der Pflege verbunden sind und die über Missstände, Personalmangel und die Zwänge der zunehmenden Ökonomisierung in der Pflege sprechen möchten. Dadurch werden letztendlich auch die anvertrauten Patienten und Bewohner sichtbar. Dies ist besonders wichtig für Menschen, die sich in der Obhut der Altenpflege befinden und durch ihre hohe Pflegebedürftigkeit kein eigenes Sprachrohr bilden können. Zu den Themen gehört aber auch Positives, wie die Liebe zu den Menschen, die Leidenschaft am gewählten Beruf, die täglichen Erfolgserlebnisse. Zudem sind die Ideen und Vorschläge zur Verbesserung der Pflege Gegenstand der Slams.

Wir legen Wert auf ein breites Themenspektrum, sowie eine gute Mischung der Beteiligten (qualifikations- und altersbezogen). Der Pflege soll mit all ihren Facetten auch jenseits der oftmals nur gesellschaftlich wahrgenommenen Inkontinenzversorgung eine Stimme gegeben und die politische Diskussion angeregt werden.

So findet sich die Diversität der Pflegelandschaft auf der Bühne des CareSlams. Es waren die Präsidenten von Pflegerat und Landespflegekammer ebenso vertreten, wie Auszubildende in der Kranken-, Kinderkranken- oder Altenpflege, sowie Pflegehelfer. Streik erfahrene Gewerkschafter, Sexualassistentinnen und, ja, auch aktuelle und ehemalige Patienten, die die Pflege auch aus der anderen Perspektive kennen.

Ein besonderes Anliegen des CareSlams ist es, Pflegekräfte mit keinerlei oder wenig Bühnenerfahrung einen Raum zu geben. Dadurch sollen gerade die eher stilleren Akteure sichtbar werden. Es ist uns zudem ein besonderes Anliegen, gezielt Jung und Alt gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Dadurch entsteht ein Austausch zwischen Generationen und ein intergeneratives Lernen findet statt. Es entwickelt sich ein gemeinsamer, roter Faden, der sich durch den jeweiligen CareSlam zieht.

Politische Bildung erfolgt beim CareSlam in unterhaltender und spielerischer Form: Denn CareSlam bedeutet auch Lachen und Staunen. Lachen, weil gerade Pflegende sich trotz aller Widrigkeiten ihren Humor bewahren konnten. Staunen vor allem, wie eine sonst eher kaum wahrgenommene Berufsgruppe hervortritt und Forderungen artikulieren kann.

So erhält auch die nicht pflegende Gesellschaft einen Einblick in das wahre Leben und Können von Pflegekräfte. Sie wird für das wichtige Thema einer guten Pflege- und Gesundheitsversorgung sensibilisiert.

Beruflich Pflegende erhalten für den Besuch eines CareSlams von der “Registrierung beruflich Pflegender” Fortbildungspunkte gut geschrieben.

Das Team rund um Yvonne Falckner (Mona Löffler-Jahraus musste leider aus gesundheitlichen Gründen das Team verlassen) begleitet den CareSlam von der Vorbereitung bis zur Bühne. Durch Thorsten Strasas entsteht eine Bildsprache, bei der die Akteure im Vordergrund stehen. Er ist Fotograf aus dem Spektrum der Dokumentar- und Sozialfotografie. Sören Karger ist der technische Leiter der Veranstaltung, Marika Lázár berät und unterstützt im organisatorischen Bereich.

Der erste CareSlam fand am 8. Oktober 2015 statt. Seitdem wird diese Veranstaltung etwa alle drei Monate durchgeführt. In dem nunmehr einem Jahr des Bestehens des CareSlams, fanden insgesamt fünf Veranstaltungen in Berlin statt. Dabei standen insgesamt 30 verschiedene Einzelpersonen oder Gruppen auf der Bühne. Darüber hinaus traten einzelne Akteure des CareSlams auch auf Tagungen, Kongressen und anderen Veranstaltungen auf der Bühne für die Pflege ein.